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Abschlussbericht zur 41. Rheinlandmeisterschaft 2018 in Hennweiler

Tim Pfrengle ist neuer Rheinlandmeister

Spannende Turniere bei der 41. Rheinlandmeisterschaft vom 24.-25. und 29.-31. März 2018 in Hennweiler

  • Entscheidung in der Schlussrunde: Tim Pfrengle gewinnt das A-Turnier und ist
    neuer Rheinlandmeister
  • Karl-Josef Burg ist neuer Rheinlandmeister der Senioren
  • Andreas Kessler gewinnt souverän das stark besetzte Hauptturnier
  • Dr. Thomas Bohn gewinnt zum 14. Mal die Blitzmeisterschaft
  • Insgesamt 66 Teilnehmer, plus 70 beim Blitzen in fünf spannenden Turnieren beim
    40-jährigen Vereinsjubiläum des Ausrichters SC Hennweiler

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Der SC Hennweiler nahm sein 40-jähriges Vereinsbestehen in diesem Jahr zum Anlass, die Einzelmeisterschaften für die Schachfreunde des Schachverband Rheinland auszurichten. Und wieder einmal waren die fünf Turniertage in der Lützelsoonhalle in Hennweiler ein großartiger Höhepunkt zum Abschluss der Saison, bei dem sich die teilnehmenden Schachfreunde wie immer in toller, freundschaftlicher Atmosphäre sportlich außerordentlich spannende Wettkämpfe lieferten.

A-Meisterturnier

Lokalmatador Tim Pfrengle wird neuer Rheinlandmeister

Hochgradig spannend verlief das A-Turnier, das am Karsamstag in einer fulminanten Schlussrunde mit vier Schwarz-Siegen gipfelte. In dem sehr ausgeglichenen Teilnehmerfeld war kaum jemals absehbar, wer das Turnier eigentlich gewinnen wollte. Kein Spieler kam ungeschoren davon. So musste sich der Titelverteidiger Christian Fink gleich in der Auftaktrunde gegen seinen Vereinsfreund Tim Ronge geschlagen geben. Das gleiche Schicksal erlitt Helmut Berresheim gegen Alexander Thieme-Garmann. Bereits nach zwei Runden aber war auch keiner mehr punktlos, nachdem Helmut Berresheim gegen Tim Ronge gewann, und Christian Fink dem späteren Turniersieger Tim Pfrengle dessen einzige Niederlage beibrachte – womit Tim Pfrengle mit ½ Punkt Letzter des Feldes war.
In den folgenden vier Runden aber legten Tim Pfrengle und Helmut Berresheim die Grundlage für ihr hervorragendes Turnierresultat: Beide erzielten zwei Siege und zwei Remis, so dass vor der Schlussrunde Helmut Berresheim, der als Vorjahressieger des B-Turniers erst ins A-Turnier aufgestiegen war, mit ½ Punkt Vorsprung vor Tim Pfrengle in Führung lag. Aber auch der zweifache Rheinlandmeister der Jahre 2000 und 2007 Dr. Ralf Schön hatte punktgleich mit dem Zweiten Anschluss gehalten, er hatte gegen Christian Fink und Tim Ronge gewonnen, und nur in Runde 4 gegen Tim Pfrengle eine Niederlage hinnehmen müssen. Alle drei Führenden hatten vor der letzten Runde Chancen auf den Turniersieg und den Rheinlandmeister-Titel.
In der dramatischen Schlussrunde wurden alle Partien jeweils mit Schwarz-Siegen entschieden: Tim Pfrengle gewann gegen Christian Marquardt, und Dr. Ralf Schön besiegte den zuvor Führenden Helmut Berresheim, der damit auf den dritten Platz zurückfiel. Tim Pfrengle aber ist nach Feinwertung neuer Rheinlandmeister vor dem punktgleichen Dr. Ralf Schön: Ein toller Erfolg für den Lokalmatador, der erst vor zwei Jahren vom Meister-B in das A-Turnier aufgestiegen war. Etwas unglücklich für Dr. Ralf Schön, dem am Ende ein halber Sonneborn-Berger Zähler zum dritten Titelgewinn fehlte. Ein tolles Turnier insgesamt aber auch für Helmut Berresheim, der es als Aufsteiger fast bis zum Rheinlandmeister geschafft hätte.
Bedauerlich nur für Remiskönig Dr. Max Gebhardt, dass er mit Remis nicht über alle Runden kam: Als er in der ausgekämpften Schlussrunde gegen Christian Fink seine zweite Niederlage einstecken musste, waren am Ende alle anderen in der Tabelle an ihm vorbeigezogen.

B-Meisterturnier

George Bruziks gewinnt vor Jens Wohde

Hoch dramatisch verlief auch das B-Turnier. Nach vier Runden sah Thomas Schwab schon wie der sichere Sieger aus, er hatte alle Partien gewonnen, u.a. in Runde 4 gegen seinen ärgsten Konkurrenten George Bruziks. Danach aber wollte dem Rekord-Teilnehmer – für Thomas Schwab war es seine 34.(!!) Rheinlandmeisterschaft – rein gar nichts mehr gelingen: Nacheinander musste er sich Sabrina Ley, Elias Roos und in der Schlussrunde Jens Wohde geschlagen geben. George Bruziks aber setzte seinen tollen Lauf fort und hatte vor der letzten Runde fünf Punkte aus sechs Partien auf seinem Konto. Gegen Sabrina Ley ließ er am Ende nichts mehr anbrennen und remisierte zum sicheren Turniersieg. Mitgebracht nach Hennweiler hatte George Bruziks ein 30 Jahre altes Siegerfoto, dass ihn mit dem Siegerpokal des B-Turniers der Rheinlandmeisterschaft 1988 in Mendig zeigt!
Als bester der 5 im Vorjahr punktgleichen Aufsteiger aus dem Anwärterturnier spielte Jens Wohde ein großartiges Turnier. Er musste sich nur einmal, in Runde zwei gegen George Bruziks geschlagen geben – danach legte er einen Lauf mit 4½ Punkten aus 5 Partien hin, was ihm am Ende punktgleich mit dem Turniersieger und mit großem 1½ Punkte Vorsprung auf Thomas Schwab den zweiten Platz einbrachte. Und auch Sabrina Ley kann mit ihrer 50% Punkteausbeute und dem 4. Abschlussplatz in dem ausgeglichenen Feld sicherlich zufrieden sein: Für sie war das Turnier zugleich ein harter Prüfstein zur Vorbereitung auf die U18 SJRP Meisterschaft in der Woche nach Ostern.

Meisteranwärter-Turnier

Wilhelm Becker wird seiner Favoritenrolle gerecht

6 Siege, zwei Remis – überlegen mit zwei Punkten Vorsprung hat Wilhelm Becker das MAT gewonnen. Noch im Jahr 2015 hatte er sich bei der Meisterschaft in Nickenich eigentlich für das A-Turnier qualifiziert, in den darauffolgenden drei Jahren aber keine Zeit für eine Teilnahme gefunden. Jetzt blieb nur noch ein Freiplatz im MAT für ihn übrig, in dem er allerdings haushoher DWZ-Favorit war. Von Beginn an ließ er keine Zweifel aufkommen, dass er dieser Favoritenrolle auch gerecht werden wollte. Nur Adriano Carrella und Harald Merges konnten ihm in der zweiten Turnierhälfte jeweils ein Remis abknöpfen.
Auf Platz 2 spielte sich etwas überraschend Wolfgang Fink vor, der sich über seinen zweiten Platz im Hauptturnier des Vorjahres für das MAT qualifiziert hatte. Er musste sich nur Wilhelm Becker, und Günther Klein, der als Bezirkssieger Rhein-Westerwald für das MAT spielberechtigt war, geschlagen geben.
Die Riege der drei punktgleichen Spieler mit 50% Punkteausbeute führt Harald Merges an, noch vor dem Lokalmatador und weiteren DWZ-Favoriten Adriano Carrella.

Hauptturnier

Andreas Kessler gewinnt souverän

6 Siege, und ein Remis in der Schlussrunde gegen Kai Mailitis – überlegen hat Andreas Kessler das Hauptturnier mit einem Punkt Vorsprung gewonnen. Schon vor der letzten Runde stand er nach seinem Sieg gegen Dimitrij Konstantinowskij als Turniersieger fest – Andreas Kessler hätte sich theoretisch zum Schluss auch eine Niederlage leisten können. Der Vorjahressieger des Hauptturniers Kai Mailitis blieb auch diesmal ungeschlagen – zwei frühe Remis, zum Auftakt gegen Tim Bender, und in Runde drei gegen Bernd Probstfeld gaben am Ende wohl den Ausschlag für seinen halben Buchholzpunkt-Rückstand auf Dimitrij Konstantinowskij. Obwohl auch Kai Mailitis' Gegner gut punkteten: Insbesondere der 16-jährige Tim Bender belegte als bester Jugendlicher mit hervorragenden 4½ Punkten am Ende den 6. Platz. Neben den ersten drei waren nur Peter Ley und Mike Sidon noch ½ Punkt besser.

Mit insgesamt 42 Schachfreunden konnte das Hauptturnier auch in Hennweiler eine recht gute Teilnehmerzahl verzeichnen. Wie immer war das Feld kunterbunt gemischt, Jung und Alt spielten gemeinsam im Turnier, sechs Senioren und 17 Jugendliche belebten das Teilnehmerfeld ungemein. Die Senioren trugen diesmal ihre Meisterschaft nicht in einem eigenen Turnier aus, sondern die Sonderwertung im Hauptturnier sollte über die Seniorenmeisterschaft entscheiden.

Der Ratingpreis für den besten Spieler mit DWZ bis 1600 ging an Bernd Probstfeld, Bester bis 1400 DWZ war Alexander Seng.

v.l.: Spielleiter Thomas Hönig, Ortsbürgermeister Michael Schmidt, Jugendsieger Tim Bender, Ratingsieger Alexander Seng und Bernd Probstfeld, Vorsitzender Hubert Strauß, SVR-Vors. Karsten Loof

Nur einen einzigen Wermutstropfen gab es: Die Damen fehlten, so dass in diesem Jahr keine Rheinlandmeisterin gekürt werden konnte. Die beiden einzigen teilnehmenden U18 und U16 Mädels bei der Meisterschaft spielten im B- und im Meisteranwärter-Turnier!

Senioren-Einzelmeisterschaft

Karl-Josef Burg ist neuer Rheinlandmeister der Senioren

Bester im Bunde der Senioren im Hauptturnier war mit 4 Punkten Karl-Josef Burg, der sich damit erstmals in die Meistertafel des SVR eingetragen hat. Punktgleich, aber mit klarem Buchholz-Rückstand landete Valeri Melnikov, Rheinlandmeister der Senioren im Jahr 2013, auf dem 2. Platz. Ihm wurden seine Niederlagen in den ersten beiden Runden gegen Joshua Lenz und Tim Bender zum Verhängnis. Obwohl Valeri Melnikov danach drei Siege in Folge erzielte, und in der Schlussrunde zudem den dritten der Senioren-Wertung Ernst Burg schlug, konnte er den Buchholz-Rückstand auf Karl-Josef Burg nicht mehr aufholen.
Vor Ernst Burg konnte sich in den Reihen der Senioren noch Günter Sassenroth mit 3½ Punkten platzieren. Da SF Sassenroth aber für den Kreuznacher SV im Schachbund Rheinhessen spielt, war er gem. TO SVR im Hauptturnier zwar spielberechtigt, konnte aber für die Wertung zur SVR Seniorenmeisterschaft nicht berücksichtigt werden. Dennoch hatte auch Günter Sassenroth viel Freude beim Turnier und war insgesamt von der guten Atmosphäre bei der Rheinlandmeisterschaft sehr beeindruckt.

Blitz-Einzelmeisterschaft

Rekordmeister Dr. Thomas Bohn gewinnt zum 14. Mal den Rheinland-Blitztitel

v.l.: Tim Ronge, Kai Mailitis, Tim Pfrengle, Michael Yankelevich, FM Dr. Thomas Bohn, IM Michael Hammes

Zur Blitzmeisterschaft am Karfreitag Nachmittag waren unter den insgesamt 70 Teilnehmern auch wieder die üblichen "Verdächtigen" auf den Turniersieg vom Zweitligisten SV Koblenz nach Hennweiler angereist: FM Dr. Thomas Bohn und IM Michael Hammes landeten beide dann auch wieder ganz vorne. Dr. Thomas Bohn blieb als Einziger ungeschlagen, mit 10 Siegen und 3 Remis in der Endrunde A erzielte der Rekordmeister seinen nun 14. Rheinlandmeister-Titel im Blitzschach. Als große Überraschung konnte sich aber nach Feinwertung noch vor Michael Hammes der Heimbach-Weiser U18- und Oberligaspieler Tim Ronge platzieren. Wie immer bei einer Rheinland-Blitzmeisterschaft war die Endgruppe A bärenstark besetzt – in diesem Jahr konnten sich allerdings durchaus auch einige neue Gesichter dafür qualifizieren!

Fazit

Es waren erneut fünf großartige Turniertage bei der 41. Rheinlandmeisterschaft in der Lützelsoonhalle in Hennweiler, bei der sich die Schachfreunde ausgesprochen wohl gefühlt haben. Die Spieler bedankten sich mit spannenden Turnieren – mit Ausnahme allenfalls des MAT –, in denen die Entscheidungen erst in den Schlussrunden fielen. Alle Turniere waren sehr ausgeglichen besetzt, so dass es viele knappe Entscheidungen gab. Im A- und B-Turnier waren jeweils zwei Schachfreunde punktgleich an der Spitze – so musste die Feinwertung auch um den neuen Rheinlandmeister entscheiden. Dass der Titel schließlich an den Lokalmatador Tim Pfrengle ging, hat er selbst sich vielleicht vor Beginn kaum zu erträumen gewagt. So darf man beim SC Hennweiler nun durchaus stolz darauf sein, zur Feier seines 40-jährigen Vereinsbestehens nicht nur eine tolle Rheinlandmeisterschaft ausgerichtet, sondern zugleich auch den neuen Meister in seinen Reihen zu haben.

Trotz der großen Spannung in den Turnieren blieben alle Schachfreunde wie immer stets ausgesprochen fair, so dass der Spielleiter Thomas Hönig kaum jemals schlichtend eingreifen musste, geschweige denn, über Proteste zu entscheiden hatte.
Unermüdlich von Seiten des Ausrichters stets im Turniersaal präsent waren Hubert Strauß und Brigitte Theis, immer um das Wohlergehen ihrer Gäste bemüht. Sie waren morgens die Ersten, abends die Letzten in der Halle. Für die frühen Schachfreunde standen morgens stets schon mehr als eine halbe Stunde vor Rundenbeginn Kaffee und sonstige Getränke, Kuchen und belegte Brötchen bereit. Abends, als nach Beendigung der Partien und Analysen auch der letzte Schachfreund den Spielsaal verlassen hatte, wurde aufgeräumt und die Runde für den folgenden Tag vorbereitet. Außergewöhnlich ist sicherlich auch, wie lange beide schon für ihren Verein ehrenamtlich aktiv sind: Hubert Strauß ist von Beginn an, seit nunmehr 40 Jahren Erster Vorsitzender, Brigitte Theis von Beginn an als Kassiererin in ihrem Verein aktiv!

Stets waren auch Gäste bei der Meisterschaft präsent. Neben Schachfreunden aus Hennweiler und Umgebung, die täglich die Turniere besuchten, war der Ortsbürgermeister von Hennweiler und Schirmherr der Meisterschaft, Herr Michael Schmidt zur Eröffnung und zur Siegerehrung gekommen. Auch seinen Grußworten war zu entnehmen: Der Schachclub ist eine Größe im Vereinsleben von Hennweiler! Manche Eltern, Freunde oder Betreuer der zahlreichen Jugendlichen bei der Meisterschaft fieberten mit ihren Schützlingen in den Turnieren mit. Und auch der SVR Ehrenvorsitzende Dr. Theo Monshausen war wie immer am Karfreitag Nachmittag mit seinen Polcher Schachfreunden und noch aktiven, oder ehemaligen SVR Vorstandsmitgliedern Jürgen Klebe und Wolfgang Gresch zum Besuch der Blitzmeisterschaft gekommen.

Der SVR Vorsitzende Karsten Loof war sowohl zur Eröffnung der Meisterschaft angereist, als auch zur Schlussrunde am Karsamstag nach Hennweiler gekommen. Dazu hatte er zahlreiche Preise im Gepäck, so dass bei der Siegerehrung zum Abschluss der Meisterschaft niemand leer ausging.

Insgesamt waren es erneut fünf großartige Turniertage bei der 41. Rheinlandmeisterschaft in Hennweiler, die alle Beteiligten sicherlich in guter Erinnerung behalten werden. So konnte der SVR Spielleiter den Verantwortlichen des SC Hennweiler gegenüber zum Abschluss zurecht die Drohung aussprechen: "Spätestens zum Fünfzigsten kommen wir wieder!"

Zuvor aber wird wohl ab dem nächsten Jahr ein neuer Modus für die Meisterschaft gefunden werden müssen. Das wird deshalb zwingend notwendig, weil es ab 2019 eine neue Schulferien-Regelung geben wird: In der Karwoche wird dann bis zum Gründonnerstag Unterricht sein, die Osterferien beginnen erst am Karfreitag. Nicht nur mögliche Austragungsorte in den Schulen werden für den bisherigen Modus dann wegfallen; auch eine große Anzahl an Schülern, die durch ihre Teilnahme die Meisterschaft bereichern, würden nach dem bisherigen Modus nicht mehr mitspielen können. Vielleicht ist eine Änderung auch mal wieder überfällig: So wie heute spielen wir immerhin schon seit der Meisterschaft 1997 in Heimbach-Weis. Und in den letzten Jahren war durchaus ein Rückgang der Teilnehmerzahlen auch in den Meisterturnieren festzustellen. Da ist z. B. die Überlegung, nur noch drei Meisterturniere mit jeweils 8 Teilnehmern parallel zum weiter wie bisher ausgetragenen Hauptturnier als feste Turnierform zu verankern durchaus angebracht.
In den kommenden Wochen wird sich der SVR-Vorstand Gedanken um einen neuen Austragungsmodus machen.
Wir hoffen, eine für alle Schachfreunde angenehme, akzeptable Form unserer Rheinlandmeisterschaft zu finden.

Thomas Hönig, Spielleiter SVR

Die Schachjugend bei der Rheinlandmeisterschaft



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